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Kreta - Ein detaillierter Reisebericht, Teil 2
Siga, siga! (Nach und nach!) So lautet das Motto des Kreters.
Eine unbeschreibliche innere Ruhe umfängt einen, schaut man sich das
kretische Leben an. Auf dem Dorf kann nichts die Welt aus ihren Angeln
heben, so scheint es. Alles geht ruhig und besonnen vor sich.
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In Mochos wie in anderen Dörfern sitzt man (wie hier bei Georgios Diamantakis) im Kafenion und
genießt einfach die Ruhe bei griechischem Kaffee, einem Glas Wasser und
vielleicht auch einem Raki, dem aus Trester gebrannten kretischen Nationalgetränk.
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Gastfreundschaft wird auf Kreta groß geschrieben und so ist es denn auch nicht
verwunderlich, das man allerorten herzlich empfangen wird.
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Mit hohem Interesse verfolgen die Kreter, wenn man nicht nur landestypisch grüsst
("Kali Mera" - Guten Tag oder "Jassas" - so ähnlich
wie "Hallo"), sondern in ihrer Landessprache ein paar
Sprachbrocken hervor bringt.
Gerne erinnern wir uns an Situationen auf dem Lande, wo wir in Kafenions
sitzend, auf Basis eines einzigen Volkshochschulkurses
"Griechisch", mit Händen und Füssen und unter Zuhilhenahme
eines "Mini-" Langenscheidt versuchen, uns gegenseitig zu
verständigen. Schon oft hatten wir eine Menge gegenseitiger Freude, sich
- wenn auch nur begrenzt - verständigen zu können.
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Das Herz Kretas sind seine Menschen, die ein einfaches aber herzliches Leben
führen.
So gibt es dort, was hier längst vergangen ist. Man trifft sich, sitzt
zusammen, und tauscht sich gegenseitig aus. Eine Fähigkeit, die wir in
unserer hiesigen Gesellschaft leider immer mehr verlernen und vergessen.
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Die Einfachheit der Kreter, die ihre Stärke ist, spiegelt sich in vielen
Facetten des Alltags wieder. So sucht man einen Supermarkt auf dem Dorfe
vergebens. Hier wird alles noch wie "in der guten alten Zeit"
gemacht. Ein Lädchen hier, ein Lädchen dort. Sitzt man nicht gerade
hinter der Kasse, ist man vielleicht gerade nebenan beim Schuhmacher, um
über die Politik zu diskutieren oder sitzt mit dem Frisör auf vor dem
Kafenion, der ebenfalls auf Kundschaft wartet.
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Nicht nur in Lynchburg/Tennessee, nein, auch auf Kreta haben alle Leute ganz viel Zeit.
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Manche Sitte und mancher Brauch, den man auf Kreta erlebt, wirkt auf den ersten Blick für
uns Nordeuropäer mitunter ungewöhnlich, teils abschreckend. Szenen, wie
diese beim Schlachter sind indes ganz normal. Verwundern sollte es auch
nicht, wenn man beim Bäcker auf dem Dorfe köstliche Plätzchen kaufen
will und sich diese selbst mit seinen eigenen Händen von den Backblechen
nimmt, die gehäuft gefüllt, in einer Reihe vor einem stehen. Dennoch ist
noch nie etwas dabei passiert.
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Kreta, dieser "alte Felsen", wie wir ihn liebkosend gerne nennen, bietet weit aus mehr, als schöne
Strände, nämlich das Herz Europas in einer wunderschönen, zerklüfteten, teils kargen, teils malerischen Umgebung. Man muss sich
aufmachen, es zu erleben. Vom Strand aus wird man es nicht entdecken.
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